Andachten
Weitere aus älteren Ausgaben kommen nach und nach dazu ...
Die Erntezeit ist eine besondere Zeit. Sie erzählt von Arbeit und Mühe, aber auch davon, dass längst nicht alles in Menschenhand liegt. Gesät und gepflegt wird von Menschen. Doch Sonne und Regen, Wachstum und Gedeihen liegen in Gottes Hand.
Jesus spricht in seinen Gleichnissen häufig von der Landwirtschaft. Vom Säen, vom Wachsen und Gedeihen, von der Ernte und von ungeahnten Überraschungen:
„Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.“ (Matthäus 13,44)
Viel wird von dem Menschen nicht erzählt. Noch nicht mal, was er auf dem Acker macht. Ich stelle mir vor, dass er ein Lohnarbeiter ist. Gerade noch hat er auf dem Feld die Hirse geschnitten und auf dem Stoppelfeld stößt er dann auf den Schatz.
Ganz zufällig findet er ihn. Nicht wie ein Geocacher, der das Suchen nach Schätzen zu seinem Hobby macht. Und dieser Schatz ist für den Menschen so wertvoll, dass alles andere unwichtig wird. Jesus sagt: So ist es mit dem Himmelreich.
Für mich passt dieser Gedanke gut zur Erntezeit. Denn auch eine Ernte ist mehr als das Ergebnis menschlicher Arbeit. Natürlich braucht es Menschen, die säen, pflanzen, düngen und ernten. Aber dass Korn und Früchte wachsen, liegt nicht in menschlicher Hand.
Anfang September haben wir das Erntefest gefeiert: mit Freude über das, was gewachsen und eingebracht werden konnte, und zugleich die Gemeinschaft miteinander. Gospelchor und Posaunenchor haben den Gottesdienst musikalisch begleitet. Ein besonderer Dank gilt der Feuerwehr, die das Erntefest vorbereitet und organisiert hat.
Mit dem Erntedankfest Anfang Oktober richtet sich der Blick dann noch einmal besonders auf Gott. Wir danken Gott für das, was gewachsen ist, und erinnern uns daran, dass wir von vielem leben, was wir nicht selbst hervorbringen können.
Der Herbst lädt deshalb nicht nur dazu ein, auf die Ernte der Felder zu schauen. Er lädt auch dazu ein, auf das eigene Leben zu blicken: Was ist in meinem Leben gewachsen? Was ist mir wichtig geworden? Was ist mir geschenkt worden, ohne dass ich es selbst hervorbringen konnte?
Und dabei entdecke ich Schätze, die mein Leben reich machen: Meine Familie, Freunde, einen Moment, der mich glücklich macht oder auch mein Glaube, der mich trägt.
Wir dürfen dankbar auf das schauen, was in diesem Jahr gewachsen ist, was uns geschenkt wurde. Und wir dürfen hoffnungsvoll nach vorn schauen auf das, was noch wachsen wird.
„Drum dankt ihm dankt, drum dankt ihm dankt und hofft auf ihn.“
Herzlichst Ihre
Vikarin Rebecca Bloy
Am 13.September werden in Niedersachsen Stadt-, Gemeinde- und Ortsräte neu gewählt; wie auch die Kreistage und Landrät*innen; an manchen Orten, wie etwa in Ostercappeln, auch die Position des/ der Bürgermeister*in. Das ist ein wichtiger Tag für die Demokratie hier in Niedersachsen. Es geht um „der Stadt Bestes“ hier vor Ort! Und nicht nur in unseren Gottesdiensten in und vor diesem Tag werden wir für unser Land und dessen Demokratie beten.
Das Wort des Propheten Jeremia meint zunächst die Gruppe derer, die etwa 50 Jahre im Zwangsexil, also in der Fremde, in Babylon sein mussten. Ihnen empfiehlt der Prophet in einem Brief, aktiv das Gemeinwesen dort zu unterstützen, damit es auch ihnen gut geht. So denken auch viele Menschen, die, aus einem fremden Land kommend, bei uns leben. Und sind in Vereinen, in der Verwaltung und auch in Kirchengemeinden aktiv.
Wieviel mehr können wir selbst unser Land unterstützen, wenn wir unser Wahlrecht wahrnehmen, indem wir einfach zur Wahlurne gehen oder uns sogar zur Wahl stellen. In unserem Fall „des Dorfes Bestes“ zu suchen, und nicht im warmen Sessel der Klage über „die da oben“ sitzen zu bleiben. Dass unser an sich wohlhabendes Land seit Jahren durch eine Krise geht, die nach einem Umbau verlangt, etwa bei Rente, Landesverteidigung oder Krankenversicherung, heißt für mich nicht, von eigener Anstrengung abzusehen, stattdessen die „da oben“ machen zu lassen und sie dann für die Ergebnisse ihres Tuns noch zu verachten. Vielmehr gilt es, vor Ort unsere Infrastruktur zu erhalten und Arbeitsplätze und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ich finde, wir sollten kreativ und mit Schwung und über alle bürokratischen Hürden hinweg das für das Dorf beste suchen. Also bitte ich Sie und Dich, am 13.09. zur Wahl zu gehen, die wie alle anderen zuvor fair und regelkonform verlaufen wird. Wahlen gut durchzuführen, das kann unser Land nach 1945 wirklich gut! Und das Ergebnis dieser Wahl zu akzeptieren und die Mandatsträger*innen, die aus dieser Wahl hervorgehen, auch für ihren Einsatz zu achten. Es kann eigentlich nicht sein, dass schon Kandidat*innen für eine Kommunalwahl sich darin schulen lassen müssen, Angriffen mit Wort oder Tat auf ihre Person zu begegnen. Und wenn manche von autoritären Führungspersonen träumen, kann ich nur sagen, dass die Macht des Einzelnen immer kontrolliert und begrenzt werden muss. Und dass zu viel Macht eine Persönlichkeit verdirbt.
Übrigens ist die Demokratie auch in unseren Kirchen tief verwurzelt. Synoden leiten unsere Evang.-luth. Landeskirche und unsere Kirchenkreise. In der Röm.-kath. Kirche wird schon seit Jahren ein „Synodaler Weg“ für die Reform der Kirche beschritten. Und wichtige theologische Entscheidungen sind in der Geschichte der Kirche auf Synoden erfolgt, mit Debatte und mehrheitlicher Abstimmung.
Andreas Pöhlmann