Angedacht

„Alle Jahre wieder“ bereiten wir uns auf Weihnachten vor. Mir ist dabei wichtig, dass ich in meinem Tag persönliche Inseln der Stille finde; dass ich schon vor Weihnachten auch Pausen zum Atemholen setzen kann. Diese Stille finde ich in einem guten Gespräch, einem kleinen Ausflug mit meiner Familie, in einem spontanen Gebet, selten auf einem großen Weihnachtsmarkt, lieber auf einem kleinen, wie am 3. Advent auf dem Gut in Arenshorst. „Stille Nacht“ kann für mich nur werden, wenn es in den Tagen davor auch in mir still wird. Und ich mich freuen kann auf das Fest, das mich zurückführt in die Kindheit. In der Andacht, mit der die Kinder bei den Proben fürs Krippenspiel in die Rollen der Heiligen Nacht schlüpfen, spüre ich das. So kann auch ich im Stall stehen in der Heiligen Nacht. Auch ich kann einen Blick erhaschen auf das Kind, das da in der Krippe liegt: Jesus Christus, mein Heiland und Halt, der mir geschenkt wird in der Heiligen Nacht. Gerne schaue ich kleine Kinder an, gerade im Advent. Neulich wartete ich bei einem Arzt. Eine junge Mutter kam mit ihrem Säugling herein. Mit kecken Augen nahm dieser gleich den Kontakt zu mir auf. Und ich lächelte zurück - Es ging gar nicht anders. Sein Blick ruhte auf mir, als wollte er eine Langzeitbelichtung von mir machen. Das war so ein stiller, fröhlicher und konzentrierter Moment, den ich meine.

Weihnachten ist nicht allein ein Fest für Kinder. Es führt uns Erwachsene zurück in unsere Kinderzeit. Man darf sich kindlich freuen. Und das passt, weil es um das Geschenk des Jesuskindes geht. Gott legt mir seinen Sohn in die Arme, dass auch ich ihn einmal halte.

In der großen Stadt Hamburg, in der ich als Student zuhause war, gab es einen Arzt, der in seiner Klinik Entbindungen begleitete. Knapp über 60 Jahre war er alt; ein großer, väterlicher Mann. Schwer konnte er sich von den Müttern mit ihren Kindern trennen, wenn er sie nach Hause entließ. Am Tag der Abreise stellte er sich deshalb an das Bettchen des Säuglings, zog seine Mundharmonika aus der Kitteltasche und spielte Mutter und Kind ein Lied. Er beugte sich über das Neugeborene und spielte „Guten Abend, gut‘ Nacht“ oder „Schlaf, mein Prinzchen, schlaf ein“. Jedes Baby verabschiedete er mit einem Lied. Ein Mann mit Herz! Die Mütter standen oft neben dem Bettchen ihres Kindes und hatten Freudentränen in den Augen.

Es ist ein besonderer Moment, so ein kleines Wesen in den Armen zu halten, so zart und federleicht liegt es da. Und ihm dann noch ein Lied zu spielen! Nichts anderes haben die Hirten in der Heiligen Nacht getan. Wir anderen schlüpfen nach ihnen in den Stall als Heiligabendgemeinde und wiegen und bestaunen das Kind!

 

                                                                                                                                      Pastor Andreas Pöhlmann

Kirchengemeinde Arenshorst